Idee

Ausgangslage und Problemstellung


In den nächsten Jahren stellt der demografische Wandel eine große Herausforderung für Deutschland dar. Der Anteil älterer Menschen wird aufgrund von steigender Lebenserwartung und gleichzeitig sinkender Geburtenrate stetig größer. Immer mehr ältere Patienten fühlen sich nach der Entlassung im Krankenhaus nicht gut betreut.
Bei steigender Singularität im Allgemeinen und insbesondere im Alter und dem Wunsch nach Individualität im eigenen häuslichen Umfeld stellt dies ein besonderes Problem dar. Gerade für alleinstehende Menschen ist die Belastung nach einer medizinischen Behandlung den Heilungs- und Behandlunsgprozess sowie alltäglichen Aufgaben im Haushalt selbstständig fortzuführen schwierig. Hilfestellungen bei der Organisation der poststationären Versorgung können durch enge Familienmitglieder, Freunde und Bekannte geleistet werden. Dieser wichtige Baustein der Unterstützung nimmt jedoch immer häufiger ab.
Insbesondere die Entlassung aus dem Krankenhaus spielt eine zentrale Rolle bei der Wiedereingliederung in das gewohnte Wohnumfeld. Hierbei ist der Kerngedanke einen geregelten Übergang von der Entlassung in das selbstständige Wohnen zu erzielen. In etwa 70% (ca. 1,7 Mio. Menschen) der Patienten werden nach einem stationären Aufenthalt zu Hause weiter gepflegt. Nach einem Krankenhausaufenthalt kommt es bei 60% der älteren Patienten zu einem Einbruch der Selbstständigkeit. Patienten und Angehörige sind überfordert. Oft wird der Pflegedienst nach einer Entlassung zu spät informiert und Patienten verbleiben mehrere Tage ohne professionelle Hilfe zu Hause.

 

Idee


Anhand der beschriebenen Problemstellungen bezüglich der Patientenversorgung nach dem medizinischen Eingriff wird deutlich, dass eine professionalisierte Koordination in Zukunft immer wichtiger wird. Die Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Behandlung muss verbessert und eine optimale Kommunikation der beteiligten Einrichtungen bei einer Entlassung gewährleistet werden. Dabei müssen die verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens (Krankenhaus, Krankenkasse, Apotheke, Hausarzt, Pflegedienst, Sanitätshaus etc.) miteinander kommunizieren und Informationen austauschen.
Eine Lösung stellt hierbei das sektorübergreifende Versorgungsmanagement dar. Dabei werden die verschiedenen Leistungsbereiche des Gesundheitswesens – die ambulante, stationäre sowie rehabilitative Versorgung von Patienten – sektorübergreifend vernetzt. Die zentralen Probleme bei der Durchführung eines sektorübergreifenden Versorgungsmanagement liegen in der Organisationsverantwortung und der ökonomischen Verwertbarkeit. Diese Fragestellungen sollen durch das Forschungsprojekt beantwortet werden. Dabei soll der Ansatz der Nachbarschaftshilfe in die sektorübergreifende Versorgung integriert und das soziale Gefüge im Quartier gestärkt werden. Durch die Unterstützung der Nachbarn im Quartier sollen insbesondere kleinere und alltäglich zu erledigende Aufgaben, wie das Einkaufen oder Putzen nach der Entlassung erfüllt werden. Gleichzeitig sollen durch die Nachbarschaftshilfe auch die sozialen Kontakte nach und während einer Krankheit gestärkt werden.
Im Kern werden insbesondere ältere, alleinstehende Menschen angesprochen, wobei es sich bei der Health- & Living-Platform um ein offenes System für alle Menschen im Quartier handelt.

 

Innovation


Im Zentrum der Innovation steht die Konzeption und Realisierung der softwarebasierenden Health- & Living-Platform und die Etablierung eines Quartierskümmerers als Koordinator und gleichzeitig Ansprechperson im Quartier. Die Plattform lässt sich in eine Case Care Organizer und eine Bewohner-Plattform gliedern.

Case Care Organizer
Der Case Care Organizer dient als Schaltzentrale und zur Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Akteuren des Gesundheitswesens, Wohnungsunternehmen und dem Bewohner im ambulanten Sektor (Terminliche Abstimmung, Erstellung von Anträgen, Leistungsanfragen etc.). Im Case Care Organizer erhält der jeweilige Akteur die organisatorische und die koordinierenden Informationen zur Versorgung des Patienten. Er dient der Sicherstellung und Beschleunigung von medizinischen Informationen und deren Übergabe von einem Akteur zum nächsten Akteur. Mit Hilfe des Case Care Organizers erhalten die Akteure des Gesundheitswesens erstmals, die für Sie relevanten Informationen zur zeitgerechten, weiterführenden Behandlung. Wobei innerhalb des Forschungsprojektes analysiert wird, welche Informationen aus rechtlicher Sicht über den Case Care Organizer übermittelt werden dürfen (Daten- und Patientenschutz laut § 284-305b SGB V).

Bewohner-Plattform
Eine umfassende Nachbarschaftshilfe wird im Quartier mit Hilfe einer Bewohner-Plattform implementiert. Im Bereich der Bewohner-Plattform melden sich andere Bewohner des Wohnungsunternehmens und der örtlichen Umgebung zur Nachbarschaftshilfe an. Der Quartierskümmerer wählt unter Hilfestellung der Serviceplattform einen Bewohner für die Nachbarschaftshilfe aus und führt die Vermittlung innerhalb der Nachbarschaftsbörse. Die Nachbarschaftshilfe ist dabei zumeist zeitlich begrenzt und wird in einem herkömmlichen Umfang geleistet (z.B. Fahrdienste, Glühbirne wechseln, Haushaltshilfe, Einkaufen gehen, etc.).